Druck aushalten können

als Steuerberater sind Sie Fachmann und Führungskraft in einem. Da Sie in der Regel mit den fachlichen Arbeiten ausreichend ausgelastet sind, bleibt oft wenig Zeit und Kraft für die Führung der Kanzlei.

In meiner Beratungspraxis beobachte ich deshalb immer häufiger, dass wichtige Führungsentscheidungen beeinflusst von großem Zeitdruck getroffen werden – einfach um das Thema vom Tisch zu haben.

Wenn Sie Personal brauchen und keine qualifizierten Bewerber haben, wäre es sinnvoll, niemanden einzustellen. So viel zur Theorie. Leichter ist es, dem eigenen Druck und dem der fordernden Mitarbeiter nachzugeben und einzustellen. Das hat aber große Nachteile, die ich hier kurz schildern möchte.

In der Kanzlei herrscht großer Bearbeitungsdruck. Der neue Kollege wird also sofort mit seinen neuen Aufgaben beglückt. Die Zeit für eine vernünftige Einarbeitung in die Kanzleiabläufe und die übergebenen Mandate hat aufgrund des bestehenden Drucks keiner. Alle sind irgendwie froh, dass das Problem gelöst ist. Langsam tauchen erste Zweifel an der Qualifikation des neuen Mitarbeiters auf. Nach einem halben Jahr wird der Chef aufgefordert, ein Gespräch zu führen, dass es so nicht geht. Die Hoffnung stirbt auch noch nicht, weil sie nicht sterben darf. Also wird noch ein halbes Jahr versucht mit dem Mitarbeiter, der nicht performt, irgendwie zurecht zu kommen.

Dann kommt die Einsicht – es geht nicht weiter. In dem Jahr hat der Mitarbeiter der Kanzlei nicht wirklich geholfen, weil er ständig Kollegen und Chefs mit Fragen beschäftigt / genervt hat. Zum Teil hatten die Mitarbeiter das Gefühl, sie hätten in der Zeit die Arbeit auch gleich selber machen können. Schlimm wird es dann, wenn der Mitarbeiter weg ist. Dann sehen wir dessen Arbeit in der Buchhaltung und jetzt geht die Arbeit und der Ärger erst richtig los. Am schlimmsten wiegt das Problem, dass die Kanzlei über 1 Jahr verloren hat, weil in dieser Zeit nicht weiter nach qualifizierten Mitarbeitern gesucht wurde.

Das Problem wurde durch die Einstellung nicht gelöst, es wurde nur vertagt. Manchmal ist es schwerer nicht zu handeln, als etwas zu tun. Dafür gibt es sicher noch weitere Beispiele. Versuchen Sie in solchen Situationen den Druck auszuhalten. Das ist schwer, aber es ist wichtig, dass Sie sich an Ihre Werte halten.

Übrigens wäre es auf jeden Fall besser, sich von unliebsamen / unwirtschaftlichen Mandanten zu trennen, als nicht qualifiziertes Personal einzustellen.

Viel Erfolg für Sie.

Ihr

Martin Schwarzensteiner

Kanzleiberater

Diplom-Betriebswirt (FH), QM-Auditor (TÜV)